Das Umgangsrecht des biologischen Vaters - Rechtsanwältin Herman

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Rechtsanwältin Helicia H. Herman zum Thema Das Umgangsrecht des biologischen Vaters


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Das Umgangsrecht des biologischen Vaters

Abstract

Gemäß § 1686 a BGB hat der biologische - jedoch nicht rechtliche - Vater, der ernsthaftes Interesse an dem Kind zeigt, ein Umgangsrecht, wenn der Umgang dem Kindeswohl dient.

Die Vorschrift beinhaltet drei Voraussetzungen, die kumulativ erfüllt sein müssen:

Zunächst muss der Umgangsberechtigte leiblicher Vater des betroffenen Kindes sein. Hierzu ist nicht notwendigerweise ein Abstammungsgutachten einzuholen, bei dem u.U. bereits erste Probleme mit der Kooperation der Mutter auftauchen.


Gemäß § 1686 a BGB hat der biologische - jedoch nicht rechtliche - Vater, der ernsthaftes Interesse an dem Kind zeigt, ein Umgangsrecht, wenn der Umgang dem Kindeswohl dient.

Die Vorschrift beinhaltet drei Voraussetzungen, die kumulativ erfüllt sein müssen:

Zunächst muss der Umgangsberechtigte leiblicher Vater des betroffenen Kindes sein. Hierzu ist nicht notwendigerweise ein Abstammungsgutachten einzuholen, bei dem u.U. bereits erste Probleme mit der Kooperation der Mutter auftauchen. Die Feststellung der Vaterschaft vermag ein Gericht im Rahmen freier Beweiswürdigung auch auf der Grundlage der Einlassungen der Beteiligten auch ohne Erhebung eines Abstammungsgutachtens zu treffen. Hierzu ist es nötig, Angaben über Empfängniszeit und zu Zeitpunkten der Pflege einer intimen Beziehung mit der Mutter zu machen. Um solchen Angaben mehr Glaubhaftigkeit zu verleihen, empfiehlt es sich, diese Angaben auch z.B. im Vorfeld vor dem Jugendamt oder anderen behördlichen Stellen zu machen.

Zweite Voraussetzung für ein Umgangsrecht ist, dass ein biologischer Vater nach der gesetzlichen Vorschrift ernsthaftes Interesse an seinem Kind zeigt.
Hier empfiehlt es sich, dass sich der Vater, möglichst von Geburt an, nachdrücklich und nachhaltig um die Herstellung eines Kontakts zum Kind bemüht. Brieflicher, fernmündlicher oder sonstiger Kontakt sollte insofern unbedingt zumindest gesucht werden, und zwar in sehr regelmäßigen Abständen. Dass es u.U. trotz dieser Versuche zu einer tatsächlichen Kontaktaufnahme mit dem Kind nicht kommt, würde einem Vater nur in diesem Falle nicht zugerechnet werden.
Ängste der Mutter und des rechtlichen Vaters sollte an dieser Stelle umfassend gewürdigt und diesen begegnet werden, um mögliche Konflikte bereits vor einem gerichtlichen Verfahren abzubauen. Aus psychologischer Sicht ist ein offener Umgang mit der Situation einer von der rechtlichen Vaterschaft abweichenden Abstammung eines Kindes und insbesondere eine frühzeitige Aufklärung des Kindes mehr als wünschenswert. Es gilt die Chancen auf eine gelingende „Patchwork-Kind-Beziehung“ nachhaltig zu verbessern. Dies kann mit z.B. mit mediativ geführten Aufklärungsgesprächen gut gelingen.

Denn weitere und dritte Voraussetzung eines Umgangsrechtes des biologischen Vaters ist auch, dass der Umgang dem Kindeswohl dient (§ 1686 a Abs. 1 Nr. 1 BGB), der Umgang für das Kindeswohl insofern förderlich ist.
Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn angesichts ernsthafter und erheblicher psychischer Widerstände und Ängste der Mutter und des rechtlichen Vaters gegen den biologischen Vater das bestehende Familiensystem, in dem das Kind lebt, durch den biologischen Vater „beeinträchtigt“ würde.
In einer „normalen“ Umgangssituation mit nur zwei existierenden Eltern, also ohne einen „nur“ rechtlichen Vater, würden die Eltern zur Inanspruchnahme von Beratung oder familientherapeutischen Maßnahmen zur Vorbereitung von Umgangskontakten des Kindes mit dem Vater gerichtlich verpflichtet werden können.
Eine rechtliche Grundlage für diese Art Verpflichtung in einer „Patchwork-Kind-Beziehung“ gibt es leider nicht.
Umso wichtiger ist es, einen Kontakt und eine Austauschmöglichkeit auf der Beziehungsebene der drei Eltern herzustellen. Mit der Mutter und dem rechtlichen Vater sollten die psychologischen Aspekte zur Frage der Bedeutung des biologischen Vaters erörtert werden, auch die Bedeutung einer möglichen Trennung der Mutter vom rechtlichen Vater und der Nachhaltigkeit der „Vater“-Kind Beziehung unter diesem Aspekt.
Auch gilt es zu realisieren, dass im Falle eines gerichtlichen Antrags des biologischen Vaters auf Feststellung der Vaterschaft, immer das familiäre Leben erschüttert ist. Es gibt außergerichtliche Möglichkeiten, die Situation bestmöglich zu gestalten.

München, den 31. Oktober 2016
Helicia Herman
Rechtsanwältin & Mediatorin

Autor: Rechtsanwältin Helicia H. Herman



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