Sind Versandapotheken Einfallstore für Fälschungen im Arzneimittelmarkt? - Rechtsanwalt Gulden

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Rechtsanwalt LL.M. Karsten Gulden zum Thema Sind Versandapotheken Einfallstore für Fälschungen im Arzneimittelmarkt?


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Sind Versandapotheken Einfallstore für Fälschungen im Arzneimittelmarkt?

Abstract
Fünf Millionen beschlagnahmte Medikamente im Jahr in Deutschland / Anzahl an gefälschten Arzneimitteln, die über Versandapotheken vertrieben wurden, laut Zollkriminalamt unbekannt

Fünf Millionen beschlagnahmte Medikamente im Jahr in Deutschland / Anzahl an gefälschten Arzneimitteln, die über Versandapotheken vertrieben wurden, laut Zollkriminalamt unbekannt

Die Versandapotheken sind den wohnortnahen Apotheken zunehmend ein Dorn im Auge. Während die Widerstandsbewegung der deutschen Apotheker, Apothekerprotest.de, die Internetapotheken lieber ganz verbieten würden, sehen sich diese nicht als Konkurrenz für die Apotheke um die Ecke, sondern als Zusatzangebot für strukturschwache Gebiete mit wenigen Apotheken. Nun regt sich laut der Tageszeitung (Online-Ausgabe) Widerstand aus der Politik.

Aktuelles zur Lage der Apotheken in Deutschland

Wie die taz.de unter Berufung auf Angaben des deutschen Apothekerverbandes weiter berichtet, würden in Deutschland jede Woche acht Apotheken schließen und nur vier neu aufmachen. Laut Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände habe es im Jahr 2011 genau 21.238 Apotheken in Deutschland gegeben – der niedrigste Stand seit 15 Jahren. Die stationären Apotheken hatten einen Umsatz von rund 37 Milliarden Euro, davon kamen 32,5 Milliarden aus dem Verkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Die 2905 Apotheken mit Versandhandelserlaubnis erwirtschafteten einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro, 343 Millionen davon durch den Verkauf und Versand von rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Doch der erste Blick in die Zahlen verrät nichts über folgenden Trend: Die Online-Händler schreiben schwarze Zahlen und stellen gute Zukunftsprognosen auf - ihre analogen Kollegen beklagen dagegen zunehmend Verluste.

Bereits im Koalitionsvertrag hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung ihre Absicht bekundet, „die Auswüchse beim Versandhandel bekämpfen“ zu wollen. Bislang scheiterten die Verbote an verfassungsrechtlichen Hürden wie zum Beispiel der Berufsfreiheit. Nun forderte die Linke ein Verbot des Medikamentenversandhandels auf der Grundlage, es sei ein „Haupteinfallstor für Fälschungen“. Laut Zollkriminalamt sei die Zahl der beschlagnahmten Medikamente in Deutschland mit fünf Millionen im Jahr tatsächlich hoch. Doch wie viele gefälschte Medikamente tatsächlich über den Pick-up-Handel vertrieben werden, sei nicht bekannt.

Dennoch: Gunnar Müller von Apothekenprotest.de sieht das Hauptproblem nicht bei der Online-Konkurrenz. Als im Jahr 2011 die Politik die Apotheker durch die Neuordnung des Arzneimittelmarktes die Apotheker zum Sparen zwangen, wurde noch ein Minus bei den Krankenkassen von elf Milliarden Euro befürchtet. Nun stellte sich heraus, dass sie Finanzreserven von 19,5 Milliarden angesammelt haben. Müller: „Da fühlt man sich schon belogen.“

Das Verbot des Medikamentenversandhandels stand am 11. Juni auf der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses im Bundestag.

Fazit:

Fälschungen von Medikamenten können sich sowohl im Onlinemarkt auch als auch in der klassischen Apotheke einschleichen. Ein Verbot des Medikamentenversandhandels wäre daher unverhältnismäßig und nach unserem Dafürhalten auch rechtswidrig, möglicherweise sogar verfassungswidrig. Es ist demnach davon auszugehen, dass es nicht zu einem Verbot des Medikamentenversandhandels kommen wird.

Autor: Rechtsanwalt LL.M. Karsten Gulden



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