Information für Existenzgründer:"Limited" oder "GmbH"? - Rechtsanwältin Schürmann

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Rechtsanwältin Martina Schürmann zum Thema Information für Existenzgründer:"Limited" oder "GmbH"?


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Information für Existenzgründer:"Limited" oder "GmbH"?

Abstract
Vergleich zwischen "Limited" und "GmbH": Informationen zu diesen beiden Gesellschaftsformen sowie Vor- und Nachteile im Vergleich!

Information für Existenzgründer: Das Recht der „Limited“ im Vergleich zur „GmbH“
Ausgangspunkt:
Eine "Limited" in Großbritannien gründen, um mit dieser Auslandsgesellschaft dann in Deutschland tätig zu sein, ohne womöglich in Großbritannien eine gewerbliche Tätigkeit auszuüben beziehungsweise ausgeübt zu haben.
Betrachtung der Limited als Alternative zur Gründung einer GmbH!
Insgesamt wird die britische "Limited" oft als günstige Alternative zur deutschen GmbH gehandelt. Oft wird dabei aber übersehen, dass die Gründung einer "Limited" auch Pflichten mit sich bringt und nicht unerhebliche Folgekosten entstehen.

Mit "Limited" oder "Ltd." ist die so genannte Private Company Limited by Shares gemeint, die der GmbH ähnlich und wie diese eine Kapitalgesellschaft ist.
Trotzdem darf das Wort Limited bei der Firmierung nicht mit dem Begriff „GmbH“ ins Deutsche übersetzt werden, um die gravierenden Unterschiede zwischen beiden Rechtsformen nicht zu verwischen. Die Gründungsdauer beträgt circa zwei Wochen, und der Gang zum Notar ist nicht erforderlich.
Ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindest- oder Höchstkapital gibt es nicht. Hinsichtlich des Kapitals der "Limited" wird zwischen dem Nominalkapital und dem einbezahlten Kapital unterschieden. Das einbezahlte Kapital bezieht sich auf die Anteile (= shares), die tatsächlich an die Gesellschafter ausgegeben wurden, und die dafür erbrachte Einlage. Die Einlage kann nicht nur durch Barzahlung, sondern auch durch Dienstleistungen und Warenlieferungen erbracht werden. Die Höhe des gesamten Kapitals ist durch Satzung frei bestimmbar. Für die Haftung der Gesellschafter kommt es aber nur auf die Höhe der jeweils erbrachten Einlage an. Deren Haftung ist also auf die Höhe der übernommenen Anteile beschränkt. Eine Nachschusspflicht besteht nicht. Für die Haftung ist das Nominalkapital dagegen nicht maßgebend. Es besteht außerdem keine Verpflichtung, die Anteile in der vollen Höhe des Nominalkapitals auszustellen.
Diese Vorteile bei der Gründung einer Limited sollten aber nicht die zahlreichen Pflichten und Kosten außer acht lassen, die im weiteren Verlauf der Gesellschaft schon nach englischem Recht entstehen.

Pflichten der Limited nach englischem Recht

Eine "Limited" muss zumindest einen "Director" (Vorstand/Geschäftsführer) und außerdem einen "Company Secretary" (Schriftführer) bestellen. Zudem sind die meisten "Limiteds" verpflichtet, "Auditors" (Wirtschaftsprüfer) zur Überprüfung der einzureichenden Bilanzen zu bestellen. Was viele nicht wissen: das britische Gesellschaftsregister geht bei Verstößen gegen Veröffentlichungspflichten streng vor. Jährlich müssen die "Limiteds" den Bericht der Direktoren, eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung und ein Testat des Abschlussprüfers einreichen. Wenn beispielsweise Jahresabschlüsse nicht fristgerecht eingereicht werden, können Bußgelder bis zu 1.000 engl. Pfund verhängt werden. Wird auf die Mahnungen des Gesellschaftsregisters nicht reagiert wird, kann die "Limited" zwangsweise aus dem Register gelöscht werden. Das vorhandene Vermögen geht in dem Fall an die britische Krone über. Das betrifft auch Briefkastenfirmen, die ausschließlich in Deutschland tätig sind.

Weiter stellt sich bei einem Auseinanderfallen von Gründungssitz und Ort des Geschäftsbetriebes immer wieder die Frage, wie die rechtlichen Verhältnisse im jeweiligen Fall tatsächlich sind. Dies gilt insbesondere für die Haftungsbeschränkung. So ist es keinesfalls sicher, dass die deutschen Gerichte eine persönliche Haftungsbeschränkung des Gesellschafters und/oder Geschäftsführers anerkennen, wenn eine Unterkapitalisierung vorliegt. In diesem Bereich ist vieles streitig.

Die persönliche Haftung des Direktors kann sich aus der Verletzung der gesetzlichen Pflichten oder Sorgfaltspflichten ergeben. Sofern ein Direktor im Vertrag nicht eindeutig klarstellt, dass er als Vertreter der Limited handelt, kann es zu seiner persönlichen Haftung kommen. Schwerwiegendes Fehlverhalten im Zusammenhang mit der Insolvenz eines Unternehmens kann die Haftung des Direktors unter misfeasance, wrongful trading oder fraudulent trading nach sich ziehen. Die persönliche Haftung des Direktors kann sich auch auf die Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen oder Umsatzsteuer erstrecken, sofern betrügerische Vereitelung der Zahlungspflichten im Spiel ist. Es bleiben somit erhebliche Rechtsunsicherheiten. Der teilweise hoch gelobte Vorteil – kein Mindestkapital bereitstellen zu müssen – kann sich damit eher als Nachteil erweisen.

Nicht zu unterschätzen ist deshalb auch im Vergleich zur GmbH das eher negative Image der Limited bei potentiellen Geschäftspartnern. Der Geschäftspartner oder Gläubiger einer ausländischen Gesellschaft wie der "Limited" wird sich im Zweifel genau über deren Kreditwürdigkeit informieren. Oft wird bei der limited aus diesen Gründen nur gegen Vorkasse geliefert.


Steuerrechtliche Aspekte (egal ob GmbH oder Limited…hier ist in jedem Fall der Rat eines fachkundigen Steuerberaters zu empfehlen!):
Eine Limited, die nach englischem Steuerrecht über den Sitz in Großbritannien ansässig ist und gleichzeitig nach deutschem Steuerrecht über den Ort ihrer Geschäftsleitung auch in Deutschland ansässig ist, ist abkommensrechtlich als in Deutschland ansässig anzusehen. In Deutschland unterliegt ihr nach den deutschen Gewinnermittlungsvorschriften ermittelter Gewinn der Körperschaftssteuer (25 %) und der Gewerbesteuer. Als unbeschränkt steuerpflichtige Kapitalgesellschaft ist die Limited nach den von Deutschland abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen abkommensberechtigt.





Was Existenzgründer sich zu Herzen nehmen sollten:
Insbesondere wegen dem Misstrauen, das der Limited immer noch entgegengebracht wird, siehe oben, rät die Autorin im Regelfall, sofern das erforderliche Kapital vorhanden ist, eher zur Gründung einer „konservativen“ GmbH..
Die Gründung einer Limited hat ganz klar den Vorteil, dass die Gründungskosten zunächst nierdriger sind (kein Notar erforderlich….). Außerdem wird, im Gegensatz zur GmbH kein Mindestkapital vorgegeben.
Existenzgründer sollten aber nicht nur auf die Gründungskosten, sondern auch auf die entstehenden Folgekosten achten.
Wenn nämlich die laufende Geschäftstätigkeit in Deutschland in Form einer Limited Ausgeübt wird, zeigen sich einige Nachteile, die insb. darauf beruhen, dass die Vorgaben des englischen Rechts neben nationalen Vorschriften zu berücksichtigen sind. Auch Unternehmen, die mit der englischen Sprache gut vertraut sind, werden oftmals nicht umhinkommen, einen englischen Rechtsberater einzuschalten, da spezielle Rechtskenntnisse erforderlich sind . Kostenersparnisse bei der Gründung gehen hierdurch schnell verloren.

Letztlich bleibt zu beachten, dass die Ausstattung einer Kapitalgesellschaft mit Eigenkapital nicht allein durch die gesellschaftsrechtlichen Anforderungen an ein Mindestkapital bestimmt wird, sondern vielmehr faktische Zwänge dies bestimmen. Zur Verwirklichung einer Geschäftsidee ist ein gewisser Grundstock an Eigenkapital erforderlich. Auch Kreditgeber werden entweder auf ein entsprechend hohes Eigenkapital achten oder den Rückgriff auf den hinter der Kapitalgesellschaft stehenden Anteilseigner fordern. Unter Berücksichtigung dieser Überlegungen verliert die Haftungsminimierung durch ein möglichst geringes Stammkapital der Gesellschaft schnell an Bedeutung und es schwindet damit ein wesentlicher Vorteil der Limited.

Autor: Rechtsanwältin Martina Schürmann



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