Brandversicherung bei privat genutzten Gebäuden

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Rechtsanwalt Wolfgang Schehl zum Thema Brandversicherung bei privat genutzten Gebäuden

Top Schlagworte: Versicherung Schäden Unterversicherung

Der Brandschaden in der Nacht vom 26. auf den 27.05.2012 an mehreren Gebäuden in der Coburg Innenstadt gibt Anlass zu einigen Fragen rund um die Versicherung eines (privat) genutzten Gebäudes gegen Brand Stellung zu beziehen. Zur Begrifflichkeit ist zunächst klarzustellen, dass Brandschäden in der klassischen Feuerversicherung versichert sind, wobei die Feuerversicherung nicht nur Brandschäden sondern auch Schäden durch Blitzschlag oder Explosion beinhaltet. Die nachfolgenden Ausführungen beschäftigen sich vornehmlich mit der Versicherung eines Brandes.

I. Sachversicherungen die eine Versicherung gegen das Risiko von Brandschäden beinhalten:

1. Wohngebäudeversicherung:
Im Rahmen einer Wohngebäudeversicherung kann entweder isoliert gegen die Feuergefahr eine Versicherung abgeschlossen werden oder im Rahmen einer sogenannten verbundenen Wohngebäudeversicherung, die mehrere Risiken abdeckt, also außer Feuer gegebenenfalls noch Leitungswasser-/ Rohrbruchschäden sowie Sturm-/ Hagelschäden.

Versichert sind im Rahmen einer Wohngebäudeversicherung die im Versicherungsvertrag bezeichneten Gebäude mit ihren Bestandteilen. Mietereinbauten gehören nicht zu diesen Bestandteilen. Zubehör wie z. B. Einbaumöbel/-Küchen sind dann mitversichert, wenn sie individuell für das Gebäude raumspezifisch geplant und gefertigt worden sind. Ebenfalls in dem Versicherungsschutz eingeschlossen sind Klingeln/Briefkastenanlagen, Müllboxen sowie Terrassen. Weiteres Zubehör kann aufgrund besonderer Vereinbarung mitversichert werden.

2. Hausratversicherung:
Die Hausratsversicherung ist ebenfalls eine gebundene Versicherung, die unter anderem die Gefahr von Feuer- bzw. Brandschäden abdeckt. Versichert ist der gesamte Hausrat. Dazu gehören alle Sachen, die einem Haushalt zur Einrichtung, zum Gebrauch oder Verbrauch dienen, außerdem auch Bargeld. Der sogenannte Versicherungsort in der Hausratsversicherung ist die im Versicherungsvertrag bezeichnete Wohnung des Versicherungsnehmers. Dazu gehört auch der Wohnungskeller, dazu kann auch die Garage gehören.

II. Schäden, die im Rahmen der Brandversicherung versichert sind:

Zunächst sind natürlich die Schäden versichert, die durch den Brand unmittelbar entstanden sind. Versicherungsschutz wird aber auch für Schäden gewährt, die beim Löschen, Niederreißen oder Ausräumen in Folge eines Brandes verursacht werden, dazu kann auch das Abhandenkommen von Gegenständen zählen.

Nicht nur der unmittelbare Sachschaden, sondern auch mit diesem im Zusammenhang stehende Kosten, wie Aufräum- und Abbruchkosten, sind versichert, sofern dies vereinbart ist.

Unter einem Brand ist im übrigen ein Feuer zu verstehen, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und sich aus eigener Kraft zu verbreiten vermag. Bestimmungsgemäße Herde sind geschützte Feuerstellen wie z. B. Öfen und Herde, aber auch ungeschützte Feuerstellen wie die Streichholz- oder Feuerzeugflamme oder Kerze.

III. Vermeidung einer Unter- bzw. Überversicherung:

Beim Abschluss einer Sachversicherung, dazu gehört eine Versicherung gegen Brandschäden, sollte darauf geachtet werden, eine Unter- oder Überversicherung zu vermeiden.

1. Unterversicherung:
Von einer Unterversicherung spricht man, wenn die Versicherungssumme niedriger als der Versicherungswert zum Eintritt des Versicherungsfalles ist.

Der Versicherungswert eines Gebäudes in der Wohngebäudeversicheurng ist je nach Vereinbarung der Zeitwert oder der Neuwert, gegebenenfalls auch ein sonstiger vereinbarter Wert. Die Versicherungssumme wird vertraglich vereinbart und sollte dem Versicherungswert entsprechen. Die Versicherungssumme stellt den Betrag dar, den ein Versicherer höchstens im Schadensfalle leisten muss. Sie bildet auch die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Prämie.

Ist die Versicherungssumme niedriger als der Versicherungswert, liegt eine Unterversicherung vor.

In vielen Bedingungen - insoweit ist dieses Problem einer Unterversicherung entschärft - findet sich ein Verzicht des Versicherers auf den Einwand der Unterversicherung, jedenfalls dann, wenn diese in keinem großen Umfang besteht.

In der Hausratversicherung kann eine Unterversicherung auch dadurch vermieden werden, dass eine Summenanpassung vereinbart wird, d. h. auf der Basis eines Indexes wird die Versicherungssumme (die dem Versicherungswert entsprechen soll) jährlich angepasst.

2. Überversicherung:
Die Überversicherung kann zu Beginn eines Versicherungsvertrages bestehen, wenn der Versicherungswert zu hoch angesetzt ist oder auch nachträglich eintreten, wenn z. B. Teile eines Gebäudes abgebrochen werden oder eine dauernde Entwertung vorliegt. Eklatanter Nachteil bei der Überversicherung ist, dass eine Prämie für eine Versicherungssumme, die im Schadensfall nicht realisiert werden kann bezahlt wird, da ein Versicherer immer nur verpflichtet ist eine Entschädigung maximal bis zum sogenannten Versicherungswert zu leisten.

Es kommt also bei Abschluss einer Brandversicherung darauf an, die Versicherungssumme möglichst präzise festzusetzen, was grundsätzlich dem Versicherungsnehmer obliegt. Der Versicherungsnehmer kann und sollte insoweit Rücksprache mit dem Versicherer nehmen und um Aufklärung und Beratung bitten.

Zusammenfassend ist darauf hinzuweisen, dass jeder Eigentümer eines Wohngebäudes bzw. Nutzer einer Wohnung eine Wohngebäudeversicherung oder eine Hausratsversicherung abgeschlossen haben sollte, da die wirtschaftlichen Folgen für den Fall, dass sich Risiken wie Brand, wie Leitungswasser-/Rohrbruch oder auch Sturm und Hagel verwirklichen immens sein können. Man sollte sich sorgfältig über die verschiedenen Allgefahren- bzw. Mehrgefahrendeckungen informieren und sollte unbedingt Unter- bzw. Überversicherung vermeiden.

IV. Rechtslage, wenn eine Brandverursachung feststeht:

Wenn es in einem Haus zu einem Brand mit Schäden an Gebäuden oder des Hausrates kommt, dann ergibt sich eine haftpflichtrechtliche Komponente dann, wenn dieser Brand durch einen Dritten widerrechtlich und schuldhaft verursacht worden ist. Dann besteht gegen diesen Dritten ein Haftpflichtanspruch, dessen Verwirklichung davon abhängt, in welcher Höhe ein Schaden entstanden ist und ob gegebenenfalls der Verursacher haftpflichtversichert ist und diese Haftpflichtversicherung auch eintritt.

Während es bei der Sachversicherung grundsätzlich nicht darauf ankommt, weswegen ein Brand entstanden ist, sondern nur darauf, ob ein bedingungsgemäßer Brandschaden vorliegt, muss im Rahmen der Haftpflichtversicherung dem Schädiger die Brandverursachung und die Höhe des dadurch eingetretenen Schadens nachgewiesen werden. Nur dann kann ein Anspruch erfolgreich geltend gemacht werden.

Bei der Entschädigung gegenüber einen für den Schaden verantwortlichen Dritten geht es immer nur um die Erstattung des Zeitwertes der beschädigten oder zerstörten Sache.

Soweit Deckungsgleichheit mit der Erstattung des eingetretenen Schadens durch einen Sachversicherer besteht, geht der Anspruch des Geschädigten gegenüber dem Haftpflichtversicherer auf den Sachversicherer über, sodass der instandgesetzt wird, Regress zu nehmen.

Wolfgang Schehl

Rechtsanwalt und
Fachanwalt für Versicherungsrecht




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Artikel - Info

Datum: 19.06.2012
zuletzt überarbeitet: 19.06.2012
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Versicherungsrecht

Rechtsanwalt Wolfgang Schehl
Kanzlei Martin & Schehl
96450 Coburg
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Autor: Rechtsanwalt Wolfgang Schehl

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