Diese Gesellschaftsformen können junge Gründer in die Insolvenz führen

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Rechtsanwalt André Schenk, LL.M.Eur. zum Thema Diese Gesellschaftsformen können junge Gründer in die Insolvenz führen

Top Schlagworte: Kapitalgesellschaften Zahlungsunfähigkeit Gründung

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Erfreulicherweise gibt es trotz der COVID-19-Pandemie mutige Gründer, die sich nicht von den Risiken der Krise abhalten lassen. Sofern sich mehrere Gründer zusammengeschlossen haben, kommt schnell auch die Frage nach der passenden Gesellschaftsform auf. Um den Gründern unangenehme Überraschungen zu ersparen, sind gerade in Krisenzeiten einige Besonderheiten bei der Wahl einer Gesellschaftsform zu beachten.

Die verschiedenen Gesellschaftsformen

In vielen Internet-Beiträgen werden Gründern pauschal die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und die Die verschiedenen Gesellschaftsformen als passende Gesellschaftsformen empfohlen. Bei der GbR handelt es sich um eine Personengesellschaft. Ebenfalls zu den Personengesellschaften gehören beispielsweise die offene Handelsgesellschaft (OHG) oder die Kommanditgesellschaft (KG). Davon abzugrenzen sind die GmbH, die Aktiengesellschaft (AG) oder die Unternehmergesellschaft (UG), welche zu den Kapitalgesellschaften gezählt werden.

Die Wahl der richtigen Gesellschaftsform ist für die Gründer von erheblicher Bedeutung und sollte stets mit einer sorgfältigen Abwägung ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile einhergehen.

Finanzielle Herausforderung: Stammkapital

Gerade in Krisenzeiten kommen für die Gründung einer GmbH zunächst nur diejenigen in Betracht, die auch höhere Bar- oder Sachanlagen leisten können, da der Gesetzgeber für die GmbH ein Mindeststammkapital von insgesamt 25.000 Euro festgelegt hat. Wenn die Stammeinlage erst einmal geleistet und die Gesellschaft gegründet worden ist, darf das Geld bis zur Auflösung nicht genutzt oder ausgezahlt werden. Zudem sollte den jungen Gründern auch bewusst sein, dass die geleisteten Anteile auch nach freiwilliger Auflösung der GmbH nicht sofort ausgezahlt werden; die Rückzahlung erfolgt dann erst nach dem sog. „Sperrjahr“. Die Gründung von Kapitalgesellschaften ist im Gegensatz zu den Personengesellschaften mit einem deutlich höheren finanziellen Aufwand verbunden, welcher von den jungen Gründern unbedingt einkalkuliert werden sollte.

Insolvenzantragspflicht bei Kapitalgesellschaften

Hinzu kommt eine weitere Besonderheit bei Kapitalgesellschaften: Bei (drohender) Zahlungsunfähigkeit oder Verschuldung sind die gesetzlichen Vertreter gemäß § 15a der Insolvenzordnung (InsO) grundsätzlich dazu verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen. Wenn nach drei Wochen ab Eintritt des Insolvenzgrundes kein Insolvenzantrag gestellt wurde, müssen die Gründer ggf. mit Schadensersatzpflichten oder strafrechtliche Konsequenzen rechnen. Die kurze Frist hätte allerdings in der Corona-Krise zahlreiche Insolvenzverfahren zur Folge, weil staatliche Hilfen regelmäßig nicht innerhalb von drei Wochen gewährt werden. Deshalb ist nach aktueller Rechtslage die dreiwöchige Insolvenzantragspflicht vorübergehend ausgesetzt, zunächst für den Zeitraum zwischen dem 01.03.2020 und dem 30.09.2020.

Corona-Sonderregelung zur Insolvenzantragspflicht:

Nach aktueller Rechtslage ist die dreiwöchige Insolvenzantragspflicht vorübergehend ausgesetzt! Dies gilt zunächst für den Zeitraum zwischen dem 01.03.2020 und dem 30.09.2020.

Das Gesetz zur vorübergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht (COVInsAG) setzt voraus, dass

  • die Insolvenzreife (Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung) auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruht,
  • beim Vorliegen einer Zahlungsunfähigkeit die Aussicht auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit besteht.

Auch wenn die Insolvenzantragspflicht derzeit noch ausgesetzt ist und eine Verlängerung diskutiert wird, so ist die Aussetzung jedenfalls keine längerfristige Lösung. Die mit der Insolvenzantragspflicht verbundenen Risiken bleiben mit der Gründung einer Kapitalgesellschaft weiterhin bestehen.

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Datum: 09.09.2020
zuletzt überarbeitet: 09.09.2020
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Handels- und Gesellschaftsrecht

Rechtsanwalt André Schenk, LL.M.Eur.
SBS Legal Rechtsanwälte Schulenberg und Partner
22085 Hamburg
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Gesetze zum Thema:
HGB § 289e
Weglassen nachteiliger Angaben
(1) Die Kapitalgesellschaft muss in die nichtfinanzielle Erklärung ausnahmsweise keine Angaben zu künftigen Entwicklungen oder Belangen, über die Verhandlungen geführt werden, aufnehmen, wenn 1.die Angaben nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung der Mitglieder des vertretungsberechtigten Organs der Kapitalgesellschaft geeignet sind, der Kapitalgesellschaft einen erheblichen Nachteil zuzufügen...
HGB § 341y
Ordnungsgeldvorschriften
(1) Gegen die Mitglieder des vertretungsberechtigten Organs einer Kapitalgesellschaft im Sinne des § 341q oder eines Mutterunternehmens im Sinne des § 341v, die § 341w hinsichtlich der Pflicht zur Offenlegung des Zahlungsberichts oder Konzernzahlungsberichts nicht befolgen, hat das Bundesamt für Justiz in entsprechender Anwendung der §§ 335 bis 335b ein Ordnungsgeldverfahren durchzuführen. Das Ver...
HGB § 341s
Pflicht zur Erstellung des Zahlungsberichts; Befreiungen
(1) Kapitalgesellschaften im Sinne des § 341q haben jährlich einen Zahlungsbericht zu erstellen.(2) Ist die Kapitalgesellschaft in den von ihr oder einem anderen Unternehmen mit Sitz in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum erstellten Konzernzahlungsbericht einbezogen, braucht sie keinen Zahlungsbericht zu er...

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