Fehler beim Testament vermeiden

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Rechtsanwalt Wolfgang Schehl zum Thema Fehler beim Testament vermeiden

Top Schlagworte: Kosten Kinder Testament

Viele Ehepaare, die Kinder haben, wählen als Form für ihren letzten Willen das gemeinschaftliche Testament. Dieses ist aber auch für Partner einer kinderlosen Ehe eine sinnvolle Variante.

Das Grundprinzip ist einfach: Einer der beiden Partner schreibt von Hand den Text und unterschreibt ihn. Danach unterschreibt der andere Partner. Er kann zur Bekräftigung auch noch handschriftlich z. B. den Satz \"das ist auch mein Wille\" davor setzen.

Eine Sonderform des gemeinschaftlichen Testaments ist das Berliner Testament. Hier setzen sich normalerweise die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben ein und bestimmen gleichzeitig, dass nach dem Tod des Längstlebenden der beiderseitige Nachlaß an einen Dritten, in der Regel an die Kinder, fallen soll.

Dabei wird in den Testamenten jedoch immer wieder der Fehler gemacht, keine festen Erbquoten anzugeben, sondern nur einzelne Gegenstände, z. B. Wohnhaus, Eigentumswohnung, Wertpapiere, usw. Für das Nachlaßgericht, das auf der Grundlage eines derartigen Testaments einen Erbschein erteilen soll, ergeben sich hieraus erhebliche Probleme. Im Erbschein sind nämlich keine Gegenstände verzeichnet, sondern nur Erbquoten, und zwar in Form von Bruch- oder Prozentzahlen. Das Nachlaßgericht muss also durch Auslegung des Testaments versuchen zu ermitteln, was der Testierende tatsächlich gewollt hat. Es wird also der Verkehrswert der Wohnungen und der Wert der Geldanlagen ermittelt und so eine Erbquote berechnet. Dies ist oft außerordentlich schwierig, zeitaufwendig und verursacht häufig erhebliche Kosten, falls ein Sachverständiger mit der Ermittlung des Verkehrswertes einer Immobilie beauftragt werden muss.

Häufige Fehler bei der Testamentserrichtung sind unklare Formulierungen, fehlende Handschriftlichkeit, eigenhändige Unterschrift mit Angabe von Ort und Datum, Unterzeichnung von nachträglichen Änderungen und manchmal fehlende Testierfähigkeit.

Wer in einem Seniorenwohnhaus oder eine Pflegeeinrichtung lebt, kann im übrigen weder den Träger des Hauses noch dessen Beschäftigten letztwillig etwas zuwenden.

Es ist daher dringend zu empfehlen, ein Testament nicht ohne fachliche Beratung zu errichten. Die Kosten hierfür machen nur einen Bruchteil eines langwierigen Erbschaftsstreites aus, die durch ein fehlerhaftes Testament ausgelöst werden können.




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Datum: 23.01.2008
zuletzt überarbeitet: 23.01.2008
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Rechtsanwalt Wolfgang Schehl
Kanzlei Martin & Schehl
96450 Coburg
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Autor: Rechtsanwalt Wolfgang Schehl

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