“Online –Scheidung“ – die billigere Alternative?

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Rechtsanwalt Christian Weimann zum Thema “Online –Scheidung“ – die billigere Alternative?

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Um die Antwort sofort und ganz eindeutig vorweg zu nehmen: Sicherlich nicht!

Schon der Begriff “Online-Scheidung“ ist irreführend, da keine Ehe in Deutschland per Computer bzw. im Internet geschieden werden kann.

In Ehesachen hat das Gericht mit den Beteiligten notwendig mündlich zu verhandeln.

Hierzu wird das zuständige Gericht grundsätzlich das persönliche Erscheinen der Eheleute zu einem Verhandlungs – und Anhörungstermin anordnen.

Darüber hinaus sind die Gebühren der Rechtsanwälte für die Vertretung vor Gericht gesetzlich festgelegt, und zwar durch das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG).

Gesetzlich festgelegt bedeutet, dass jeder Anwalt in Deutschland für diese Tätigkeiten dieselben gesetzlichen Gebühren in Rechnung stellt und auch mindestens in Rechnung stellen muss.

Dies betrifft ebenfalls die zu entrichtenden Gerichtsgebühren, deren Grund und Höhe im Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) geregelt ist.

Grundlage der Gebührenberechnung sowohl der Anwalts- als auch der Gerichtsgebühren ist der so genannte Verfahrenswert, der sich bei einer Ehescheidung in der Regel aus dem in drei Monaten erzielten Nettoeinkommen beider Eheleute errechnet und ausschließlich vom Gericht per Beschluss festgesetzt wird.

Jedem Rechtsanwalt in Deutschland ist es in gerichtlichen Angelegenheiten ausdrücklich untersagt, geringere als die gesetzlichen Gebühren zu fordern oder zu vereinbaren.

Da bei jedem Scheidungsverfahren die Eheleute vom Gericht persönlich angehört werden sollen und hierbei qua Gesetz zumindest eine Verfahrens- sowie eine Terminsgebühr entstehen, ist die im Internet verbreitete Behauptung, bei einer so genannten “Online-Scheidung“ lasse sich Geld sparen, nicht nur unzutreffend sondern auch unredlich.

Der einzige, der bei einer “Online-Scheidung“ spart, ist der Anwalt, und zwar vor allem seine eigene Zeit.

Im Verlaufe eines Verfahrens kann es - auch wenn beide Ehegatten zunächst in bester Absicht eine „einvernehmliche“ Scheidung anstreben- immer wieder zu Unstimmigkeiten kommen, welche eine kurzfristige sowie höchstpersönliche Besprechung mit dem gewählten Verfahrensbeistand unabdingbar machen. Soll der Mandant zu diesem Zweck dann nach München oder Erfurt reisen?

Auch im vom Gericht anberaumten Scheidungstermin wird aufgrund der zusätzlich anfallenden Reisekosten kaum mit der persönlichen Anwesenheit des auswärtigen Bevollmächtigten zu rechnen sein.

Ferner ist es dem Anwalt ausdrücklich untersagt, beide Ehegatten zu beraten. Der mit der Einreichung des Scheidungsantrages beauftragte Rechtsbeistand vertritt demnach nur einen der beiden Eheleute. Der andere Ehegatte kann vor Gericht ohne anwaltlichen Beistand lediglich seine Zustimmung zur Scheidung erteilen, hat jedoch kein eigenes Antragsrecht.

Gerade bei Trennungen und beabsichtigten Scheidungsverfahren, die unter Umständen mit erheblichen rechtlichen Konsequenzen u.a. hinsichtlich Unterhalt, Zugewinn, Sorge- und Umgangsrechten verbunden sein können, empfiehlt es sich, einen Anwalt vor Ort aufzusuchen, um mit diesem sowohl die persönliche als auch die wirtschaftliche Situation ausführlich zu besprechen.

Rechtsanwalt Christian Weimann
Anwaltskanzlei Weimann & Meyer




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Datum: 16.11.2015
zuletzt überarbeitet: 16.11.2015
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Familienrecht

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