Praktische Hinweise für Verbraucher im Zusammenhang mit dem Abschluss von Versicherungsverträgen

Juristische Bibliothek auf anwalt-seiten.de - Fachartikel von Anwältinnen und Anwälten auf anwalt-seiten.de

Rechtsanwalt Georg Willi zum Thema Praktische Hinweise für Verbraucher im Zusammenhang mit dem Abschluss von Versicherungsverträgen

Top Schlagworte: Versicherer Abschluss Verpflichtung

I. Besteht eine rechtliche Verpflichtung zum Abschluss eines Versicherungsvertrages?

1. Direkte gesetzliche Verpflichtung zum Abschluss eines Versicherungsvertrages:
Grundsätzlich (wichtigste Ausnahme Kfz-Haftpflichtversicherung) besteht für einen Verbraucher keine Verpflichtung, einen Versicherungsvertrag abzuschließen. Dagegen besteht für eine Vielzahl von Berufsgruppen eine Verpflichtung zum Abschluss eines Versicherungsvertrages (so z.B. für Rechtsanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, Jäger usw).

2. Indirekter Zwang zum Versicherungsschutz:
Die Rechtssprechung hat indes daneben in einigen Fällen indirekt eine Verpflichtung zum Abschluss eines Versicherungsvertrages vorgeschrieben, da andernfalls Schadensersatzansprüche drohen können. Abgeleitet wird dies aus einer bei § 242 BGB angesiedelten Schutzpflicht bzw. nebenvertraglichen Verpflichtungen im Sinne des § 280 BGB.

3. Bitte beachten Sie, im Einzelfall kann ein Gericht selbstverständlich von der oben zitierten Rechtssprechung abweichen. Dies insbesondere dann, wenn besondere Umstände des Einzelfalls vorliegen. Ein Gericht ist darüber hinaus aber auch nicht gehindert, entgegen einem anderen oben zitierten Urteil zu entscheiden.

Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass die Erstberatungsgebühr regelmäßig sehr gering ist und Sie darüber hinaus von vorne herein mit dem Anwalt eine Gebühr für die Beratung vereinbaren können. Sie können also für ein Beratungsgespräch mit dem Fachanwalt für Versicherungsrecht die Gebühren mit ihm frei vereinbaren.

II. Worauf sollten Sie beim Abschluss eines Versicherungsvertrages achten:

1. Direktversicherer - Agent - Makler ?

Hier sollten Ihnen die drei wichtigsten Gruppen mit ihren wichtigsten Unterscheidungskriterien geläufig sein:

o Als Direktversicherer bezeichnet man den Versicherer, der über keinen Außendienst verfügt, sondern direkt per Internet, Telefon oder postalisch kommuniziert.

o Der Agent vermittelt Versicherungen, in der Regel für eine (oder auch mehrere) Gesellschaften. Daneben gibt es viele Untergruppen und Varianten u.a. den Vertreter einer Gesellschaft, den Mehrfachagenten, den Gelegenheitsvermittler, den haupt- und nebenberuflichen Vermittler usw.

o Der Makler. Hauptunterscheidungskriterium ist, dass dieser nicht von einem Versicherer sondern von einem Versicherungsnehmer (also Ihnen) mit der Vermittlung einer Versicherung beauftragt wird (wobei er aber seine Provision direkt vom Versicherungsnehmer oder auch von der Gesellschaft erhalten kann - je nach Vertragsgestaltung).

2. Bestehen Sie beim Vertragsabschluss auf ein Protokoll, wenn der Vertrag vom Agenten oder Makler vermittelt wird. Darauf haben Sie einen Rechtsanspruch!
o Da im Einzelfall der Kunde auf bestimmte Rechte verzichten kann - insbesondere die Dokumentationspflicht - wird wohl mutmaßlich seitens der Versicherungswirtschaft zukünftig versucht werden, von Ihnen eine Erklärung zu erlangen, wonach vor allem auf Dokumentation (der Information und des Beratungsgespräches) verzichtet wurde.

Das oben erwähnte Protokoll ist nur dann ein Fortschritt, wenn es viel, viel individuelle Aufzeichnungen enthält. Sie sollten auf gar keinen Fall auf das Protokoll verzichten. Und Sie sollten unbedingt darauf achten, dass im Protokoll eine umfassende Darstellung Ihrer wirtschaftlichen Situation und der aufgeworfenen Fragen enthalten ist. Aufgenommen werden sollte unter anderem:
o Die Statusabfrage des Vermittlers (Agent, Einfirmenvertreter Vertreter oder Mehrfachagent). Weiter sollten Sie festhalten, welche zusätzliche Ausbildung und Erfahrung der Vermittler hat. Dazu gehört, ob der Vermittler seinen Beruf haupt- oder nebenberuflich ausübt.
o Wichtig ist, dass auch Ihre persönliche Situation dargestellt ist. Was Sie verdienen, welche Belastungen Sie haben, welche Verbindlichkeiten bestehen, ob und welche persönlichen Veränderungen anstehen.
o Unbedingt sollten Sie festhalten, dass Sie eine Rundumberatung gewünscht haben. Also sowohl zum Versicherungsschutz, als auch zur Altersvorsorge, Vermögensaufbau usw.
o Wird eine Empfehlung für eine bestimmte Versicherung ausgesprochen, sollten Sie darauf bestehen, dass diese Empfehlung auch näher begründet wird.
3. Ziehen Sie zum Beratungsgespräch Zeugen aus Ihrem Lager hinzu.

4. Informieren Sie sich selbst:

Wer - wie wohl die meisten - mit Versicherungsbegriffen, wie Umorganisation, konkreter Verweisungsberuf, abstrakter Verweisungsberuf, vorvertraglicher Anzeigenpflicht, Obliegenheit usw. nicht gut auskennt, sollte sich die Begriffe eindeutig erklären lassen. Besser ist es natürlich, wenn Sie sich vor dem Beratungsgespräch schon anderweitig informiert haben. Eine weitere Hilfe sind entsprechende Zeitschriften und Bücher. Ein Einstieg sind mit Sicherheit auch die von der Stiftung Warentest herausgegebenen Publikationen, insbesondere das Heft Finanztest.

5. Vergleichen Sie die allgemeinen und besonderen Versicherungsbedingungen (das Kleingedruckte)

Auch sind die Fragen der Versicherer zum Gesundheitsbereich, also die vorvertraglichen Anzeigepflichten völlig unterschiedlich. Etwas überspitzt ausgedrückt: Es gibt Versicherer, die nur die letzten drei Jahre abfragen. Es gibt solche, die einen präzisen Katalog von Fragen stellen (ein solcher Katalog schützt Sie): Denn wenn in dem Katalog z.B. vermerkt ist: Hatten Sie in den letzten Fragen ein Gastritisleiden, ist für jeden Versicherungsnehmer klar, dass er jetzt ja ankreuzen muss, wenn der Fall vorlag. Gefährlich sind dagegen vor allem nicht die präzisen Fragen, sondern die pauschalen Fragen, wie z.B: \"Hatten Sie in den letzten 5 Jahren Beschwerden.\"

6. Beachten Sie die Regulierungspraxis des Versicherers:

In dem Zusammenhang auch ein weiterer Punkt, den wir subjektiv für sehr, sehr wichtig halten, der aber oft in Preisvergleichen über Versicherer nicht auftaucht:

Die Regulierungspraxis: Es gibt durchaus einige Gesellschaften, die sehr restriktiv in der Regulierung sind. Dem gegenüber stehen Gesellschaften, die auch in Zweifelsfällen schnell regulieren. Direktversicherer bieten in Regel natürlich den gleichen Versicherungsschutz zu einem günstigeren Preis. Erkundigen Sie sich aber auch, ob die Regulierungspraxis dieser Direktversicherer mit denen von anderen Gesellschaften vergleichbar ist.

Ein Versicherer, der nicht zahlen will, hat breit gefächerte Möglichkeiten Einwendungen zu erheben, er kann Sie in einen jahrelangen Prozess hineinziehen, er verfügt auch über ein gutes Netz von Sachverständigen und Ärzten, usw. Daher sollte die tatsächliche Regulierungspraxis nicht unterschätzt werden. Was nützt eine günstige Gesellschaft, die Ihnen in der Regulierung eine Hürde nach der anderen aufbaut.

Endlich spielt die - hoffentlich kompetente - Betreuung durch einen Vermittler nach dem Schadensfalle eine wichtige Rolle.




Durchsuchen



Artikel - Info

Datum: 28.03.2008
zuletzt überarbeitet: 28.03.2008
  253 mal gelesen.

Versicherungsrecht

Rechtsanwalt Georg Willi
Rechtsanwälte Willi & Janocha Partnerschaft mbB
86150 Augsburg
Permalink

Autor: Rechtsanwalt Georg Willi

Die hier veröffentlichten Informationen stellen lediglich allgemeine Hinweise dar. Durch die Zurverfügungstellung dieser Informationen kommt weder ein Vertrag mit dem Leser zustande, noch kann hierdurch eine fundierte rechtliche Beratung ersetzt werden. Es wird keine Haftung übernommen im Hinblick auf Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen. Alle Rechte verbleiben beim Autor, eine Wiedergabe über egal welches Medium bedarf der Erlaubnis.