Unterhaltsanspruch volljähriger Kinder

Juristische Bibliothek auf anwalt-seiten.de - Fachartikel von Anwältinnen und Anwälten auf anwalt-seiten.de

Rechtsanwältin Gabriele Koch zum Thema Unterhaltsanspruch volljähriger Kinder

Top Schlagworte: Kinder Kind Eltern

an Rechtsanwältin Gabriele Koch schreiben

Volljährige Kinder, die sich noch in der Berufsausbildung befinden, haben gegen ihre Eltern einen Unterhaltsanspruch. Dieser richtet sich, anders als beim minderjährigen Kind, gegen beide Elternteile, auch dann, wenn das volljährige Kind noch im Haushalt eines Elternteils lebt. Der BGH begründet das damit, dass bei einem minderjährigen Kind der Elternteil, bei dem das Kind lebt, seine Verpflichtung, zum Unterhalt beizutragen, dadurch erfüllt, dass er das Kind betreut. Ein volljähriges Kind braucht dagegen keine Betreuung mehr, so dass ab Eintritt der Volljährigkeit beide Elternteile barunterhaltspflichtig sind.

Solange das Kind im Haushalt eines Elternteils lebt, bemisst sich der Bedarf nach Altersstufe 4 der Düsseldorfer Tabelle, wobei das Einkommen beider Eltern zugrunde gelegt wird. Bei Kindern mit eigenem Hausstand, liegt der Bedarf nach den unterhaltsrechtlichen Leitlinien pauschal bei etwa 600 € (hier gibt es geringfügige regionale Unterschiede). Hierin sind keine Kosten für Kranken- und Pflegeversicherung enthalten. Von diesem Betrag kann bei erhöhtem Bedarf oder mit Rücksicht auf die Lebensstellung der Eltern abgewichen werden.

Das Kindergeld ist nach der Rechtsprechung des BGH vom Bedarf abzuziehen, ebenso eigene Einkünfte des Kindes, Bafög-Darlehen und Ausbildungshilfen. Der dann verbleibende Rest ist von beiden Eltern entsprechend dem Verhältnis ihrer Einkünfte zu tragen, vorausgesetzt, dass beide leistungsfähig sind.

Der Unterhaltsanspruch besteht in der Regel auch dann weiter, wenn das Kind nach Abschluss der Erstausbildung noch eine Weiterbildung macht, die mit der Erstausbildung in Zusammenhang seht und mit dieser dann eine Gesamtausbildung darstellt. Bei einer Zweitausbildung oder einem Ausbildungswechsel ist stets der Einzelfall zu berücksichtigen. Der Unterhaltsanspruch entfällt nicht schon deshalb, weil sich das Kind bei der ersten Wahl geirrt hat, Eltern sind aber auch nicht verpflichtet, dem Kind beliebig viele Ausbildungen oder Ausbildungsversuche zu finanzieren.




Durchsuchen



Artikel - Info

Datum: 21.02.2007
zuletzt überarbeitet: 21.02.2007
  mal gelesen.

Familienrecht

Rechtsanwältin Gabriele Koch

81827 München
Permalink

Autor: Rechtsanwältin Gabriele Koch    an Rechtsanwältin Gabriele Koch schreiben

Gesetze zum Thema:
BGB § 1741
Bürgerliches Gesetzbuch
Zulässigkeit der Annahme
(1) Die Annahme als Kind ist zulässig, wenn sie dem Wohl des Kindes dient und zu erwarten ist, dass zwischen dem Annehmenden und dem Kind ein Eltern-Kind-Verhältnis entsteht. Wer an einer gesetzes- oder sittenwidrigen Vermittlung oder Verbringung eines Kindes zum Zwecke der Annahme mitgewirkt oder einen Dritten hiermit beauftragt oder hierfür belohnt hat, soll ein Kind nur dann annehmen, wenn dies...
BGB § 1751
Bürgerliches Gesetzbuch
Wirkung der elterlichen Einwilligung, Verpflichtung zum Unterhalt
(1) Mit der Einwilligung eines Elternteils in die Annahme ruht die elterliche Sorge dieses Elternteils; die Befugnis zum persönlichen Umgang mit dem Kind darf nicht ausgeübt werden. Das Jugendamt wird Vormund; dies gilt nicht, wenn der andere Elternteil die elterliche Sorge allein ausübt oder wenn bereits ein Vormund bestellt ist. Eine bestehende Pflegschaft bleibt unberührt. Für den Annehmenden g...
BGB § 1593
Bürgerliches Gesetzbuch
Vaterschaft bei Auflösung der Ehe durch Tod
§ 1592 Nr. 1 gilt entsprechend, wenn die Ehe durch Tod aufgelöst wurde und innerhalb von 300 Tagen nach der Auflösung ein Kind geboren wird. Steht fest, dass das Kind mehr als 300 Tage vor seiner Geburt empfangen wurde, so ist dieser Zeitraum maßgebend. Wird von einer Frau, die eine weitere Ehe geschlossen hat, ein Kind geboren, das sowohl nach den Sätzen 1 und 2 Kind des früheren Ehemanns als auc...

Die hier veröffentlichten Informationen stellen lediglich allgemeine Hinweise dar. Durch die Zurverfügungstellung dieser Informationen kommt weder ein Vertrag mit dem Leser zustande, noch kann hierdurch eine fundierte rechtliche Beratung ersetzt werden. Es wird keine Haftung übernommen im Hinblick auf Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen. Alle Rechte verbleiben beim Autor, eine Wiedergabe über egal welches Medium bedarf der Erlaubnis.