Verdacht: Besitz/Verbreitung von Kinderpornographie - wie kann man sich wehren?

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Rechtsanwalt Markus Böhmer zum Thema Verdacht: Besitz/Verbreitung von Kinderpornographie - wie kann man sich wehren?

Top Schlagworte: Kinderpornographie Sache Dateien

Die Dateien sollen in der Regel aus dem Internet stammen. Selbst wenn die Dateien schon längst gelöscht waren und daher vom Nutzer gar nicht mehr zu erkennen, ändert das übrigens nichts an der Strafverfolgung.

Eine Anklage ist nun sicher. Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist die Sache klar, für die Öffentlichkeit sowieso. Eine Verurteilung unter öffentlicher Bloßstellung scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.
Dabei gibt es durchaus Erklärungen, wie die verbotenen Bilder/Videos auch ohne Wissen und Wollen des Verdächtigen auf den PC gekommen sind (so dass der Verdächtige straflos bliebe).

Beispiele:

- eine andere Person hat als Nutzer des betroffenen PCs die Dateien heruntergeladen und abgespeichert

- die Dateien befanden sich ohne Kennzeichnung in einer Sammlung „normaler“, also erlaubter pornographischer Bilder/Videos

- die Dateien waren vom Dateinahmen her nicht als verbotene Kinderpornographie zu erkennen

- die Dateien befanden sich ursprünglich in einer heruntergeladenen (gepackten) Datei, die anderes enthalten sollte

- das PC-Laufwerk, auf dem sich die Dateien fanden, ist/war ein Netzwerklaufwerk, auf das auch andere Nutzer Zugriff hatten

- der PC ist ein Notebook und war als solches in ungesicherten WLAN-Netzwerk

Alle diese Umstände kommen natürlich auch dann in Betracht, wenn der Verdacht auf unrechtmäßigen Besitz/Verbreitung hinsichtlich eines Teils des Bilder bzw. Videos tatsächlich zutrifft und es daher für den Verdächtigen zwar nicht um einen Freispruch, aber um ein erträgliches Strafmass geht.

Das wichtigste Erkenntnis in allen Konstellationen: NIEMALS EINE AUSSAGE, bevor nicht ein Verteidiger Sie nach Einsichtnahme in die Ermittlungsakte beraten hat!

Und selbst dann wird es in allen Fällen, in denen etwas vom Vorwurf bestritten werden soll, zumeist der Rat des Verteidigers sein, weiter zur Sache zu schweigen. Die entlastenden Umstände bzw. auch nur das Aufzeigen von möglichen Alternative wie den oben genannten, wie die Bilder/Videos auf den PC gekommen sein könnten, müssen auf anderem Wege von Ihrem Verteidiger in das Verfahren eingeführt werden.

Eine bestreitende Aussage wird nämlich regelmäßig als „Schutzbehauptung“ abgetan und sogar strafschärfend berücksichtigt. Außerdem müssen die aufgezeigten Alternativen natürlich mit den (aktenkundigen) Tatsachen im Einklang stehen. Das kann nur ein fachkundiger Verteidiger nach Akteneinsicht beurteilen.




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Datum: 10.05.2012
zuletzt überarbeitet: 10.05.2012
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Strafrecht

Rechtsanwalt Markus Böhmer

20357 Hamburg
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Autor: Rechtsanwalt Markus Böhmer

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